Zauberprinz

 

Zauberprinz
ZAUBERPRINZ

Typvolles Oldenburger Hengstfohlen

pedigree Zauberprinz

Natürlich macht man sich immer diverse Anpaarungsgedanken, bevor man eine Stute besamt oder bedecken lässt, aber wenn man den passenden Hengst im Stall hat, von dem man weiß, dass er einem bislang noch nie enttäuschte und mit jedem seiner zahlreichen Fohlen zu überzeugen wusste, dann liegt es nah, dass man ihn auch nutzt und so suchten wir im letzten Jahr für Zauberglück unseren Schimmeligen aus, der mit bürgerlichem Namen Brave Heart heißt:

brave Heart
Den Sohn (ich bin recht sicher, dass es einer werden wird) vor dem Vater vorzustellen wird mir der Schimmelige, der mit „bürgerlichem“ Namen Brave Heart heißt, vermutlich nicht verzeihen und ich kann nur hoffen, dass mich keiner bei ihm verpetzt.

Brave Heart ist ein Sohn des Arc de Triomphe, dessen Sohn Piccobello jüngst aufgrund seiner herausragenden Sporterfolge im Springsport nachgekört wurde und auch wenn ich ja eher der Dressuri bin, so kann man auch Brave Heart das Talent über den bunten Stangen nicht absprechen und anlässlich seiner Körung beim ZfDP erhielt er die 9 im Freispringen. Allerdings zeigte er sich in der HLP wieder als Dressurpferd und wurde mit 119 Punkten 5. in der Rittigkeit.
Vielleicht ist das der gute Einfluss des Dillenburger Landbeschälers Mandant, der als vielseitig vererbender Hengst nur leider viel zu wenig Einfluss auf die Trakehner Zucht nehmen durfte, wie so viele andere Trakehner Hengste in Staatsdiensten leider auch.
Brave Hearts Mutter Burgkrone entstammt der Trakehner Stutenfamilie der O 189 A Brita. Sie ist eine Tochter des Prämienhengstes Memelruf, welcher hervorstechend in Adel, Aufmachung, Linienführung und Gesamtbedeutung des Rahmens war. Er gilt als Veredlerhengst von bester Qualität und deutlich hervortretenden Rittigkeitsmerkmalen.
Ueber seine Grossmutter mütterlicherseits finden wir in Brave Hearts Pedigree den das höchste Mass an Schönheit und Harmonie verkörpernden Halbblüter Prince Condé, einen Sohn des Prince Rouge xx, welcher seinerseits züchterisch als einer der wertvollsten
Vollbluthengste seiner Zeit gesehen wird.

Aber ihn auf seine Abstammung zu reduzieren, das würde diesem Hengst nicht gerecht, denn er ist ein Familienmitglied und darum soll auch seine Geschichte hier kurz erzählt sein:

Brave Heart – Einmeterzweiundsiebzig schimmelige Albernheit

Von all den vielen Hengsten, die uns in den letzten 16 Jahren begleiteten sind uns drei geblieben: Brave Heart, der schimmelige Trakehner, Abenteuer unser schwarzer Oldenburger Alibihengst und mein gescheckter Westfale Charming Irco und ohne dass ich die Qualität des Rappen oder des Schecken schmälern will, so muss ich doch zugeben dass keiner von beiden je die Präsenz des Schimmeligen, unseres stolzen Trakehner Hengstes Brave Heart, besessen hat, der sich benimmt wie der Graf Koks und erwartet, dass man ihn angemessen seiner Position als König des Hofes beachtet und hofiert und auch wenn Irco ein wahrer Schatz im Stall ist und sein Charakter nicht mit Gold aufzuwiegen und Abenteuer als Grand Monsieur und würdevoller Senior, dem man sein Alter nicht ansieht ihre Bewunderer fanden und noch immer finden, so wurde aber doch keiner von ihnen so ungeschlagen der Sieger der Züchterherzen wie Brave Heart, denn deren Gunst gehörte meistens dem albernen Schimmel, der sich so unverwechselbar in Szene zu setzen weiß, dass ihn schon ein Glorienschein zu umgeben scheint, wenn er aus der Box tritt und es würde mich nicht erstaunen, wenn seine Bewunderer irgendwann vor ihm niederknien und beten würden.

Vielleicht ist sein Snobismus und seine Arroganz sein Geheimnis, dass keiner auf die Idee kommt, an seiner glamourösen Fassade zu kratzen, sondern jeder sich von ihm und seinem Strahlen nur zu gern blenden lässt.

Natürlich ist er ohne Frage eine außergewöhnliche Erscheinung, aber während alle Hengste, die sich je mit ihm vergleichen lassen mussten, sich der Kritik der Züchter gnadenlos aussetzten, verzeiht man ihm jeden Makel, von denen er zwar wirklich nicht viele zu haben scheint, aber selbst wenn er einem immer ein wenig von oben herab behandelt und betrachtet, was bei seiner stattlichen Größe von über einem Meter siebzig und seiner imposanten Erscheinung auch keine Kunst zu sein scheint, wird ihm das nicht als Überheblichkeit angekreidet, sondern als selbstbewusstes Auftreten und maskuline Ausstrahlung auf die Pluspunkteliste geschrieben. Ich habe mich auch selbst ja schon erwischt, dass ich schon fast versucht war, mich bei ihm zu entschuldigen, wenn er mich mit seinem Monarchenblick anschaute, mit dem er alle seine Untertanen straft, wenn sie ihn ungebührlich lange auf etwas warten lassen und damit seinen Unmut auf sich ziehen oder er beleidigt war, weil wir ihn jemand verärgerte, aber irgendwo muss man seinem Größenwahn ja auch Grenzen setzen und darum bitte ich ihn nicht um Verzeihung, auch wenn er mich noch so streng mit seinen Blicken abmahnt, weil eben zuerst Irco und Ali drankommen und er erst dann er seine Möhren erhält – hier geht es nämlich nach der Reihenfolge und nicht nach Schönheit.

Dabei war er nicht unbedingt eine strahlende Erscheinung, als wir ihn das erste Mal sahen und eigentlich wollte ich auch keinen Schimmelhengst haben, denn das Gestüt, wo er geboren wurde, wurde uns empfohlen, weil wir auf der Suche nach einer Zuchtstute waren.

Wir fanden dort dann gleich drei Pferdemädchen: die schwarze Zaubernacht, die uns ihre Tochter Zauberglück schenkte und uns dann für immer verließ, die Schimmelstute Zauberlicht, die wir später verkauften, nachdem sie ihr erstes Fohlen, den Zauberlehrling nicht annahm und er darum sterben musste und Burgfee, die Oma des Schimmeligen, die uns kein Fohlen mehr gebären wollte und nun auch auf der ewigen Weide grast.

Es lag wohl kein Glück über unseren Pferdekäufen, aber den einzigen, den ich eigentlich gar nicht haben wollte, weil er aussah, wie Paulchen Panther, so rosarot in seinem stichelhaarigen Fuchsfell, das sich gerade anschickte schimmelig zu werden, der wurde unser Schicksal und unsere glückliche Fügung, obwohl er mir zu groß war, ich keine Schimmel mochte und fast dreijährig an seinem schlaksigen Körper gar nichts zusammenzupassen schien.

Dazu kam, dass als er uns vorgeführt werden sollte, Schimmi locker über die Abgrenzung hinwegsetzte und über den Miststock in Richtung der Stuten zu entfleuchen drohte und die Hatz durch die Jauch, um den Hengst einzufangen, nahm ich nicht als bestes Omen für einen Kauf.

Doch Micha hatte ihn entdeckt und er wollte ihn nun auch kaufen und er war es auch, der auch immer an ihn glaubte, wenn in mir manchmal die Zweifel nagten, ob der lange dornenreiche Weg für den wir uns entschieden hatten, noch Sinn machte und ob sich all das Bangen, all das Hoffen irgendwann lohnen würde, denn nachdem er so unreif war, wollten wir ihn nicht zur Körung vorstellen, obwohl er bei den Trakehnern für den Hengstmarkt in Neumünster ausgewählt wurde, aber gegen all die weit gereiften Muskelberge hätte unser neuer Pferdesohn wohl eher verloren mit seiner hageren Statur, den langen Beinen und dem noch spärlich dünnen Hals.

Wir ließen ihn dann auch noch einmal in Ruhe wachsen und dabei begannen auch seine Proportionen langsam zusammenzupassen und so schickten wir ihn vierjährig zum Anreiten zu Dolf-Dietram Keller, wo auch unser Irco eine zeitlang zur Ausbildung stand und wo wir glaubten, dass unser großer Schlacks die entsprechende Förderung erfährt.

Schimmis Hasenherz kam ihm aber dabei oft in den Weg, denn ihn konnte schon eine achtlos über seinen Rücken geworfene Decke aus der Fassung bringen und die vielen kleinen Tücken des Alltags waren es dann auch, die ihm für die ganz große Karriere im Weg standen.

Nach zwei Reitpferdeprüfungen, bei denen er beide Male unter den ersten dreien platziert war, holten wir ihn nach Hause und hofften, dass sich seine Guckigkeit vielleicht etwas legen würde, wenn man ihn vermehrt im Gelände arbeiten und ihm auch den Auslauf auf der Weide gönnen könnte, damit er einen Ausgleich findet.

In der Zeit gab es auch einen jungen Bereiter, dem ich vertraute, weil ich wusste, dass er den Hengst genau nach meinen Vorstellungen reitet und tatsächlich formte sich Schimmi sehr gut in der Arbeit unter seinem Sattel, sodass ich ihn fragte, ob er denkt, dass er ihn bis zum Spätherbst so weit bekommen könnte, dass wir ihn zu einer Sattelkörung nennen dürften, ohne uns mit ihm zu blamieren.

Er fand die Idee gut und weil er den Hengst auch vielseitig ausbildete und ihn öfter mal über einen Parcours sprang, entdeckten wir auch, dass er viel Spaß hatte, die Hindernisse zu überwinden, was wir auch gerne förderten.

Dann nahte der Tag der Abreise nach Viernheim zur Körung.

Am Donnerstag früh wollten wir losfahren, um unserem „umweltorientierten“ Schimmel die Halle zu zeigen und ihn am Übungsfreispringen teilnehmen zu lassen, aber am Mittwoch spät abends klingelte das Telefon und unser Bereiter sagte ab!

Nun war guter Rat teuer, denn so schnell jemanden zu finden, der ihn ersetzen hätte können war unmöglich und ihn nur an der Hand vorzustellen, schien uns suboptimal, um den besten Eindruck von ihm bei der Kommission zu hinterlassen.

Also blieb nur die eine Möglichkeit, ihn selbst vorzustellen, obwohl ich ihn bis dahin noch nie geritten hatte und wir rein optisch auch überhaupt nicht zusammen harmonierten: Er der große, langbeinige Schlanke, ich die kleine, kurzbeinige Dicke.

Er gab sein Bestes und ich spürte einen Hauch davon, dass unter meinem Sattel ein hervorragendes Pferd zu entfalten bereit gewesen wäre, aber das Vorreiten fand in der Abteilung statt und wir sollten von vier Pferden an der dritten Stelle unsere Position einnehmen, aber die ersten beiden Paare schlichen dermaßen langsam vor uns her, dass ich mehrfach Volten anlegen musste, damit Schimmi nicht ständig seine Nüstern in den Schweif des Vorderpferdes steckte, aber das sahen die hohen Herren nicht gerne und mahnten mich, das zu unterlassen und statt dessen das Tempo soweit einzufangen und es den anderen Pferden anzugleichen, dass sich ein harmonisches Abteilungsbild ergibt.

Ich versuchte den Schwung herauszunehmen und halbe Paraden zu geben, aber mein Hengst fühlte sich nun wohl in seinen Bewegungsdrang zu sehr eingeschränkt und begann, gegen das Gebiss zu pullen und mit dem Kopf gegen meine Handeinwirkung zu schlagen und ich konnte ihm das nicht einmal verdenken, denn einem jungen Pferd den Vorwärtsdrang und die Freude an der Arbeit zu nehmen, war für mich immer schon die größte Sünde, die man in der Ausbildung der Remonte begehen kann.

Im Prinzip hätte ich in die Mitte reiten und absteigen sollen und dann wären wir vermutlich auch besser gleich nach Hause gefahren, aber statt dessen versuchte ich den Körkommissaren ihren Wunsch weiterhin zu erfüllen und merkte, wie mein Pferd begann zügellahm zu gehen und mit jeder Runde taktunreiner zu gehen.

Natürlich wurde er auch nicht gekört.

Damit mussten wir zu Plan B greifen und ihn zuerst zur Leistungsprüfung schicken.

Er nahm uns diesen Verrat in den ersten Wochen auch sehr übel, denn wenn ich ihn besuchte, rührte er nicht einmal die mitgebrachten Möhren an, solange ich in seiner Box bei ihm stand. Erst wenn ich mich entfernte, hörte ich, wie er aus dem Hungerstreik trat und meinen Mitbringseln Beachtung schenkte.

Nach der Hälfte der Prüfung erreichte mich ein Anruf vom Landgestüt, ob ich wohl bereit wäre, den Hengst zu verpachten, aber ich verneinte und gab damit die falsche Antwort, denn plötzlich gab es Klagen, wenn ich anrief, um mich nach ihm zu erkundigen, dass er sich im Springen so sehr verschlechtert hätte.

Ich konnte es nicht glauben und reiste zu ihm.

Als ich sah, wie man ihn offensichtlich absichtlich in ein Hindernis laufen ließ, hakte ich nach und bat, den Hengst sofort abholen zu dürfen, aber das erklärte mir sei während des 100-Tage-Testes nicht möglich.

Ich konnte meinen Schimmel nur um Verzeihung bitten und ihm versprechen, dass er sehr bald schon wieder nach Hause dürfte und ihm dort gewiss keiner absichtlich das Springen verleidet und ihm auch niemand Stangen gegen seine empfindlichen Beine knallen lässt, nur damit er sich verspannt und man ihm Abzüge machen kann, damit er nicht versehentlich die Prüfung gewinnt.

In der Dressur konnte man ihm aber nicht am Zeug flicken und als der Fremdreiter ihn deutlich länger prüfte als die anderen Pferde und mit ihm Seitengänge ritt bis hin zur Traversale, flüsterte ich Micha zu: „Will der ihn kaufen oder warum testet er ihn so lange?“

„Freu Dich, er scheint ihn zu mögen“ wisperte man mein Mann zurück und lächelte.

Schimmi bekam auch wirklich Höchstnoten in der Rittigkeit, in der Leistungsbereitschaft und im Charakter und auch seine Grundgangarten fanden ein sehr wohlwollendes Urteil.

Er beendete die Prüfung als Fünfter von sechsundzwanzig an dieser HLP teilnehmenden Hengsten in der Dressur und wie erwartet, wertete man sein Springen als unterdurchschnittlich, wodurch er in der Gesamtwertung auf Platz zehn rutschte.

Die nächste Körung absolvierte er dann auch mit Bravour und nach dem Freispringen, für das er mit einer neun belohnt wurde, war ich mit der Welt wieder versöhnt und feierte meinen kleinen inneren Reichsparteitag, denn dass er nicht springen können soll, das konnte mir keiner einreden, auch nicht eine Ergebnisliste einer Hengstleistungsprüfung.

Im Anschluss an die Körveranstaltung kam ein Holsteiner Hengsthalter und meinte: „Wenn der nicht so eine blöde Elchschaufel auf dem Hintern hätte, dann würde ich den sofort kaufen, denn der kann ja fliegen!“

Contenance mahnte meine Omi wieder und so antwortete ich: „Mein Herr, es ehrt mich zwar, dass sie das Talent meines Pferdes wertschätzen, aber ich muss Ihnen sagen, der Hengst stünde gar nicht zum Verkauf, selbst wenn er nicht die Elchschaufel trüge, doch trüge er sie nicht, hätte ich ihn nicht gekauft und ich glaube, das wäre für ihn das größere Malheur, als kein Holsteiner zu sein, denn wäre er einer müsste er ihr Pferd sein und hätte nicht meines werden dürfen“.

Manchmal, das gebe ich aber auch zu, da gibt es aber auch bei mir Momente, in denen ich verstehe, warum man sagt: „Trakehner, Trakehner, von Zehnen tut eener“, denn auch ich behaupte in eben jenen Augenblicken, dass ihnen ab und zu vermutlich die Elchschaufel vor das Gehirn rutscht und das dann wahrscheinlich zu den trakehnertypischen Aussetzern führt.

Bei Schimmi äußerten die sich immer dann, wenn es darauf angekommen wäre, sie gerade in diesem wichtigen Moment nicht zu haben, denn wir wurden in unserer gemeinsamen Turnierzeit zu den Siegern des Abreitplatzes, weil Schimmi sich da immer von seiner besten Seite zeigte und unter dem Sattel brillierte, wie kein Zweiter.

Stolz nahm ich zur Kenntnis, wenn ich merkte, dass die Zuschauer ihn als Gewinner der Prüfung favorisierten und nicht nur einmal raunte Micha mir beim Nachgurten zu: „Die Leute sprechen vor allem von ihm und sind ganz begeistert, wie er sich präsentiert.“

Wir erhielten sogar Kaufangebote für ihn … aber leider – wobei wir ihn niemals verkauft hätten – auch immer nur so lange, wie er die Lektionen, die er eben noch so perfekt zelebrierte, nicht im Viereck absolvieren musste, denn dann sah er gar nicht mehr ein, die langweilige L-Dressur aufgabengetreu durchzumarschieren, sondern würzte sie prinzipiell mit ein paar Highlights, welche er seiner Phantasie entspringen ließ und die auch absolut nichts mit der Aufgabe der FN zu tun hatte, welche gerade gefordert gewesen wäre – manchmal noch nicht einmal mit den Lektionen, die es laut FN gibt.

Vermutlich hielt er sich dabei auch für ganz großartig und einen speziell tollen Hecht, wenn er an der langen Seite aus dem laut Aufgabe verlangten Kontergalopp umsprang in den Handgalopp, dann wieder zurück zum Kontergalopp, um dann noch einmal in den Handgalopp zu wechseln, denn sein selbstzufriedener Blick, das stellte Micha fest, der dabei immer wieder Grund zum Kollektivschämen hatte, aber in Ermangelung einer Bettdecke unter die er sich hätte verkriechen können eben peinlich berührt zuschauen musste, was sein Schimmel sich mal wieder Feines ausgedacht hatte, der schien zu sagen: „Jetzt mal Schluss mit dem öden Einerlei – jetzt zeigt Euch Euer Schimmi, was er wirklich kann und dann werdet ihr aber staunen, Leute!“

Und es staunten auch immer alle – vor allem die Richter die, als er eines Tages bei der Schlussaufstellung aus dem Halten und Grüssen anpiaffierte und nicht mehr aufhörte, obwohl ich schwöre, dass ich keine, nicht mal die leiseste Hilfe dazu gab und behaupte, dass ihm keiner vorher die Piaffe beigebracht hatte, mir den scherzhaften Rat gaben, es vielleicht mal im Grand Prix zu versuchen, wenn meinem Pferd die L-Dressuren im Anspruch an sein Können zu profan sind und unter seinem Niveau liegen.

Auf dem Abreiteplatz ignorierte er auch flatternde Fahnen, oder andere sehr gefährliche Dinge, während er im Viereck einen Aufstand machen konnte, nur weil da ein Blumenschmuck stand oder die Richter sich zu bewegen wagten just, als er an ihnen vorbeitrabte.

An Hallenturnieren echauffierte er sich über Bandenwerbung und Sonnenstreifen auf dem Boden, obwohl ihn so etwas weder in der Abreithalle noch zuhause je interessierte, draußen gefielen ihm die weißen Gatter und die Buchstabentürme nicht, denen er ansonsten nie seine Beachtung schenkte und selbst in einer Springprüfung schaffte er es, zwischen den Hindernissen – und nicht vor einem Sprung sondern wirklich zwischen drin, wo es keinen Grund zum Halten gab – die Bremse zu ziehen, fünf Sekunden über denn Sinn seines Tun und vielleicht bei der Gelegenheit auch den seines Lebens nachzudenken, um dann wieder anzugaloppieren und den Parcours fehlerfrei zu beenden. Die Diskussion der Richter, wie das nun zu bewerten wäre, da es sich ja nun nicht um eine Verweigerung handelte, dauerte länger als Schimmi trotz seiner Auszeit zur Sinnfindung zur Überwindung aller Hindernisse gebraucht hatte und schlussendlich war es der Zeitfehler, der ihn aus der Platzierung rutschen ließ, nachdem es zahlreiche fehlerfreie Ritte gab, die eben auch schneller waren, aber das muss einen auch nicht wundern, nachdem kein anderes Pferd eine Gedankenpause einlegte und dadurch wertvolle Sekunden verlor, beziehungsweise das Zeitlimit überschritt.

Im Gelände vermutete er prinzipiell hinter jedem Baum einen überdimensional großen Säbelzahntiger, der ihm nach dem Leben trachtet, obwohl ich ihm erklärt hatte, dass die längst ausgestorben sind und das Gefährlichste, was ihm im Wald begegnen könnte, höchstens ein Fuchs wäre, der garantiert aber Besseres zu tun hätte, ihn, den Schimmi zu erlegen.

Zugute halten muss ich ihm aber, dass er mich nie abwarf, selbst nicht, als er in seiner Albernheit, wegen eines am Wegesrand lagernden Strohballens rückwärtstretend in eine Entwässerungsrinne geriet und das Gleichgewicht zu verlieren drohte, weshalb ich sofort aus dem Sattel sprang, um zu schauen, ob er sich verletzt hat, aber er ließ mich danach auch nicht mehr aufsteigen und so durfte ich, mein Pferd am Zügel führend, nach Hause laufen und jeder der uns dabei sah, behauptete hinterher, dass ich vermutlich koppheister gegangen war, mich danach nicht mehr aufs Pferd traute, das aber nicht zugeben wollte und deshalb erzählte, dass Schimmi mich nicht mehr aufsteigen ließ.

So schnell gerät man in ein falsches Licht.

Obwohl er mich aber wirklich nie, weder willentlich, noch unabsichtlich aus dem Sattel verlor, würde ich ihn auch nicht unbedingt als Begleiter im Reich vom Fürsten des Hades vertrauen, dass er uns beide heil wieder aus der Unterwelt trägt, denn zum einen bevorzugt er es, sich nicht von seinem Reiter vorschreiben zu lassen wohin er zu gehen hat und zum anderen ist er tief in seinem Herzen ein Feigling, der beim Anblick des Teufels rufen würde: „Leute seid nicht feige – lasst mich hintern Baum!“ und beim Geruch von Schwefel bin ich sicher, würde er empört flehmen, weil er seine hoheitlichen Nüstern beleidigt.

Schimmi ist also ganz sicher nicht der fürs Grobe, und bevor er sich die Hufe schmutzig macht und sich das blütenweiße Seidenfell versengt, nur um mir das Höllenfeuer zu ersparen, würde er wohl sagen: „Tut mir ja wirklich leid, aber in diesem Fall ist mir mein Hintern eben wichtiger als Deiner“, und dann würde er seine Haut retten und schnellstens von dannen galoppieren, ohne sich nur noch einmal nach mir umzudrehen.

Da nutze mir das Wissen auch nichts, dass man auf seinem Rücken auch in den Genuss höchsten Reitgefühles kommen kann, denn wenn er am feinen Zügel sacht geführt wird, und man dann erlebt, was es heißt „im Pferd“ zu sitzen und das Schwingen des Pferdes durch den ganzen Köper fließen fühlt und man das Wort Kadenz begreift, wenn die Hanken sich biegen, der mächtige Hals sich vor der Hand des Reiters aufwölbt und man das Gefühl hat, bergauf zu reiten, denn seine Hasenfüßigkeit würde wohl nicht nur die Flucht aus dem Reich der Finsternis mit ihm verhindern, sondern stand auch dem großen Erfolg immer wieder im Weg.

„Er hat Musik in den Knochen und das große Viereck unter den Füßen … leider aber nicht im Kopf“, urteilte einst sein Ausbilder und er behielt recht, denn Schimmis „Umweltorientiertheit“ ließ ihn in den Dressurprüfungen der Dekoration immer mehr Aufmerksamkeit schenken, als den Aufgaben, die zu erfüllen wir eigentlich angetreten waren.

Ich war vielleicht auch zu wenig ehrgeizig und stark im Sattel, um seine nervlichen Schwächen auszugleichen, aber irgendwann hob ich das letzte Mal die Hand und gab es dann auch endgültig auf, mit ihm eine Karriere im Dressursport anzustrengen, für die er sicher prädestiniert gewesen wäre, aber eben nicht mit mir.

Zauberglück II

zauberglück
Seine Mama, die als Zauberglück II eingetragen wurde, ist eine Tochter des Assistent von Kornett und entstammt der Stutenfamilie der Zauberfee.

Zauberglück wurde Siegerstute der Eintragung beim ZfDP, Bundessiegerstute der Vierjährigen in Altefeld und wurde auch beim Oldenburger Verband als „herrliche Zuchtstute von bedeutendem Format mit weit überdurchschnittlichem Trab“ gelobt – nur der Trakehner Verband blieb mit Lob für die Stute stets sparsam

Ihr Vater Assistent war 1996 Sieger der Hengstleistungsprüfung in Marbach und wie auch sein Vater Kornett II und Zauberglücks Muttervater Mandant, gehört er zu den Landgestütshengsten, denen die Trakehner Züchter nur wenig Beachtung schenkten und die vor allem in den Landespferdezuchten zu Ruhm und Ehr fanden.

Als einziger für die Trakehner Zucht zugelassene Sohn des Kornett II v. Maharadscha und der Korinthe von Schwarzer Prinz (… wer die Bücher von Manon Donner kennt, in denen sie von ihrer Stute Signoretta erzählt, dem sollte an dieser Stelle das Herz aufgehen ;)ist er über Kornett ein Vertreter der bedeutenden Hengstlinie des Vollblutarabers Fetysz ox.

Assistent war erfolgreich in Dressurprüfungen bis Klasse M, stellte jedoch in zahlreichen Jungpferdeprüfungen auch sein Springtalent unter Beweis, das ihm auch der Trakehner Verband anlässlich seiner Körung 1996 in Alsfeld bescheinigte.

Sein Vater Kornett wurde nach seiner Körung 1968 vom Haupt- und Landgestüt Marbach auf der schwäbischen Alb erworben wurde und bis zu seinem Tod 1992 eingesetzt.

Ich habe ihn noch persönlich kennen lernen dürfen und wie viele war ich von seinem unglaublichen Habitus und seiner Schönheit restlos begeistert, doch auch er fand wenig Bedeutung bei seinem Heimatverband, aber in der württembergischen Zucht war Kornett II ein gefragter Vererber, auch wenn er hier ebenfalls mit dem DLG-Sieger Korporal nur einen Sohn hinterlassen konnte, wurden dort doch zirka 130 Töchter eingetragen. „Nach heutigem Kenntnisstand ist der Hengst in der Trakehner Zucht zu wenig genutzt worden“, resümiert die Trakehner Zuchtleitung im Hengstbuch 1990 zwei Jahre vor seinem Tod, „aufgrund der Erfolge seiner im Turniersport gestarteten Nachkommen gehört Kornett II gegenwärtig zu den gewinnreichsten lebenden Vererbern , mit besonderer Betonung auf einer sehr guten Springveranlagung. In der Württemberger Warmblutzucht zählt er in dieser Hinsicht zu den einflussreichsten Vererbern.“
2007 verzeichnete er eine Nachkommen-Lebensgewinnsumme von 173.472 Euro und aufgrund der Nachkommenerfolge wurde Kornett II 1988 vom Württemberger Zuchtverband zum Elitehengst ernannt.

Mütterlicherseits ist Assistent ein Sohn der Ascona und entstammt somit der Familie der Annemone, wie auch Anduc, Atlas I und II, Amelio oder der Hengst Fifty Cent, der auf diese Trakehner Stutenfamilie zurückgeht.

Ascona hatte mehrere sporterfolgreiche Kinder, unter anderem auch die Vollbrüder von Asssistent, Asco und Ascett. Letzterer der über neun Jahre beständig erfolgreich im Turniersport gestartet wurde und eine Lebensgewinnsumme von 3.380 Euro vorweisen kann, begann seine Laufbahn als Vierjähriger mit Erfolgen in Gebrauchs-, Eignungs- und Dressurprüfungen für Fahrpferde vor der Kutsche von Willi Schöttle. Danach ging seine Karriere steil bergauf mit vielen Erfolgen in M- und S-Fahrprüfungen in allen Disziplinen und in kombinierten Prüfungen, vorwiegend im Einspänner, zuweilen auch im Zweispänner.

Ascona ist, wie ihre Vollschwester Akelei, die Mutter von Amelio v. Kronenkranich xx, eine Tochter des Mahagoni, des fast schon legendären Dressurvererbers und Halbblüters von Pasteur xx, mit dem ich Leistung und Härte des Vollblüters verbinde und der in 3. Generation des Assistent den Anschluss an das Blut des Schwarzer Prinz findet.

In der Anpaarung von Zauberglück an Brave Heart ist wohl die Linienzucht auf Mandant in 3. Generation auffällig und ich denke, dass es sicher interessant ist und bereits bei Zora zum Erfolg führte, dass wir den vielseitig vererbenden Dillenburger Landbeschäler potenzieren.

In 5. Generation verdoppeln wir Impuls und so hoffe ich, dass ein bisschen Dressurblut sich bei Zauberprinz verankert, nachdem er eigentlich vom Pedigree schon fast ein Springpferd werden könnte.

Aber Papier ist geduldig, doch nachdem es bereits eine Art „Erstausgabe“ des roten Prinzen gab, die man als sehr gelungen bezeichnen darf, ist das Anpaarungsrisiko relativ gering, obwohl man nie davon ausgehen kann, dass Vollgeschwister sich nun zwingend in Aussehen und Charakter gleichen müssen … die Natur hat auch hier das letzte Wort und lässt sich eben nicht in die Karten spicken.

Mit Zauberprinz wird also in diesem Jahr ein Vollgeschwisterchen zur roten Zora geboren werden und da sie unter ihrer 15-jährigen Reiterin bereits erste kleine Erfolge in Dressurprüfungen verbuchen konnte, gehen wir nun mit dem roten Prinzen in die zweite Auflage.
So könnte das Fohlen aussehen … es sei denn es erbt Papas Farbe, was mir natürlich nicht ganz unrecht wäre, als bekennender Schimmel-Liebhaber.

zora

Das Gefühl, dass und Zauberglück einen roten Prinzen ins Stroh legen wird und das mich schon in der achten Trächtigkeitswoche sicher machte, dass wir auf ein Hengstfohlen warten, trog uns nicht, denn es ist ein Fuchshengstfohlen, welches am Mittwoch, den 29. April 2009 um 21.40 Uhr das Licht der Welt in unserem Stall erblickte.

Auch die Abzeichen hätte ich wohl vorab schon beschreiben können, denn dass Brave Heart, der Schimmelige, seinen Kindern gerne mal eine Blesse ins Gesicht zaubert wissen wir aus der Erfahrung und nachdem Zauberglück bereits drei Füchschen mit breiter Blesse von verschiedenen Vätern gebar und die Vollschwester zum Prinzen meine Erwartungshaltung stark beeinflusste und so trägt er tatsächlich eine breite Blesse im Gesicht und wie das erste Fohlen seiner Mutter, Simply red, hat er einen hochweißen Hinterfuß.

Zauberglücks Trächtigkeit dauerte diesmal 352 Tage, was untypisch für sie ist, denn bislang gebar sie ihre Fohlen nach 335 bis 338 Tagen, aber dafür ist der rote Prinz auch ein sehr kräftiges Pferdekind, mit starkem Fundament und gut ausgeprägten Gelenken.

Nachdem wir in den letzten zwei Wochen im Takt von 45 Minuten nach Zauberglück schauten, um den großen Moment nicht etwa zu verpassen, suchte sie sich auch diesmal wieder exakt den Zeitpunkt für die Fohlengeburt aus, der zwischen zwei Besuchen von uns lag.

Während wir nun also um 21 Uhr eine ruhig ihr Heu kauende und keine Anzeichen einer nahen Geburt zeigende Zauberglück im Stall beobachten durften und so natürlich auch keinen Grund fanden, den Rhythmus der Überwachung zu verkürzen, fanden wir um 21.45 Uhr, als wir mit dem Abendbreichen in den Stall kamen, um es zu verteilen, den noch pitschnassen Zauberprinzen im Stroh.

Seine Mutter war wohl gerade aufgestanden und wie es eben ihre Art ist, schaute sie sich ihren Sohn zwar interessiert an, befand dann aber, dass es nun wichtiger wäre, den nun freien Platz im Bauch gleich wieder etwas zu füllen und widmete sich erst einmal dem einatmen ihres Futters.

Um zu Stehen, zu Laufen und nach uns auszukeilen brauchte der rote Prinz keine halbe Stunde, denn kurz nach 22 Uhr marschierte er schon recht sicher auf seinen vier langen Beinen durch die Box, aber um in dazu zu bewegen, am Euter zu trinken mussten wir uns fast bis Mitternacht anstrengen … aber damit er trotzdem genügend Kolostralmilch bekommt, habe ich 300 ml abgemolken – Glücki war auch froh, denn das Euter zwackte sie sehr und so musste sie auch quietschen, wenn er nur drankam, was ihn dann auch wieder überlegen ließ, ob sich die Mühe wohl lohnt, wenn man sich dabei jedes Mal erschrecken muss.

Dass er ein echter Kerl ist, bewies er uns aber, als ich ihm die Flasche anbot: ernahm sie sofort und kapierte auch gleich, wie einfach und mühelos dieser Weg ist, wenn man sich die Milch ganz ohne Suchen und Saugen aus der Flasche in den Bauch laufen lassen kann.

So brauchte es also unsere ganze Überredungskunst, bis er sich dann doch bereit war, ein wenig für seine Milch zu arbeiten und sie beschloss, doch noch direkt aus dem noch immer prallen Euter zu lutschen.

Nachdem er aber um Mitternacht noch immer nur kleine Mengen von Darmpech zutage gefördert hatte und so stark presste, dass er Anzeichen von Erschöpfung zeigte, mussten wir doch noch den Tierarzt herbemühen, damit dem Prinzen ein Klistier helfen können würde.

Unser erster Eindruck von ihm: Er ist ein Riesenbrocken!

Ich weiß nicht, wie er in Glücki passte, aber dass sie schlimme Nachwehen hatte und vermutlich auch ein paar Hämatome, nehme ich an. Jedenfalls legte sie sich auffallend oft nach der Geburt und auch nachdem die Nachgeburt abgegangen war wieder hin und schlug sich immer wieder gegen den Bauch, was mir doch Sorgen bereitete, aber da sie ja mit großem Appetit ihr Mash hat sie aufgeschlabbert hatte, ließ mich annehmen, dass es eher Nachwehen sind, als Symptome einer Kolik.

Im Gegensatz zu den Fohlen, die wir sonst von Glücki hatten, ist er absolut nicht mager und selbst die Tierärztin, die ja nun vor allem die Oldenburger Fohlen gewohnt ist und seltener zarte Trakehner Pferdekinder sieht, fand ihn riesig und erstaunlich kräftig … ob er ein Hübscher ist? Hmm, ich will nicht undankbar sein, denn der liebe Gott hat ihn sicher perfekt gemacht, aber bei der Blesse hoffe ich, dass er vielleicht doch ein Schimmel wird, denn ein bisschen weniger wäre mir persönlich lieber gewesen, aber vielleicht ist mein zweiter Eindruck, wenn er sich etwas entknittert hat ja auch ein ganz anderer.

Zauberprinz So, das ist er also und dass Micha ihm die Ohren auf den Fotos kappte, möge man ihm verzeihen, denn es war ziemlich duster und Micha zielte einfach in Richtung Fohlen mit der Kamera, aber bevor Ihr ihn gar nicht zu sehen bekommt – man muss sich eben die verloren gegangenen Ohren dazu vorstellen:
Fohlen Brave Heart

 

Donnerstag, den 30. Mai 2009-05-04

Um es nun gleich vorauszuschicken: Dem Prinz geht es nun gut, aber in der vergangenen Nacht machte er uns gewaltige Sorgen, nachdem er das Darmpech auch nach dem ersten Klistier und einer intensiven homöopathischen Behandlung nicht loswurde und heute früh schwebte dann das Damoklesschwert über ihm, dass wenn er auf das dritte Klistier und einen Einlauf mit Gleitgel nicht endlich zutage fördert, worauf wir die ganze Nacht hofften, sich der Kot zu stark anschoppt und das Problem operativ gelöst werden muss, denn er begann bereits zu krampfen und war von dem ständigen Drücken so erschöpft, dass er kaum noch Kraft hatte, an die Milchbar zu gehen.

In mir war natürlich sofort das Bild von dem Fohlen, von welchem mir eine Bekannte vor zwei Jahren berichtete und welches wegen Darmpechverhalten qualvoll starb, weil der Tierarzt keine Zeit hatte, nach dem Zwerg zu sehen.

Ich muss zugeben, dass ich mit meiner großen Sorge das Fohlen sicher noch kranker kuckte, denn ich durfte eine interessante Erfahrung machen, die mir bewies, dass es wirklich sensible Pferde gibt, die auf sorgenvolle Besitzerblicke prompt mit einer Krankheit reagieren. Jedenfalls brachte Micha die restlichen Mädels raus, während ich den Prinzen auf dem Paddock hütete, weil der Tierarzt zu einem Notfall gerufen wurde und mich bat zu schauen, ob er weiter presst und krampft oder ob er es alleine schafft, den Darm zu entleeren – also er ließ uns jetzt nicht im Stich für ein anderes Pferd, denn er versprach, sofort eine Kollegin loszuschicken, wenn es dem Fohlen schlechter gehen sollte und er war nach einer halben Stunde auch wieder bei uns.

Während ich also meinen angstvollen Blick auf dem roten Prinzen ruhen ließ, trabte auf der anderen Seite eine Dame nach der anderen an, um das neue Fohlen zu bestaunen und weil die Weiber sich wieder nicht einig wurden, wer in der ersten Reihe stehen darf, war mächtig Rodeo bei ihnen drüben und dann sah ich, wie Hibiska lostrabte … wow!

Ich weiß, dass Bambi sich außergewöhnlich bewegt und die Königin eine Wucht ist, wenn sie erst einmal in Fahrt kommt, aber bei Hibiska sah ich eben nie, wie sie läuft und heute … also ich will ja echt nicht prahlen und ich weiß, dass ich auch gerne mal die rosarote Züchterbrille auf die Nase setze, wenn es um meine Lieblinge geht, aber Hibiska haute mich echt aus den Schuhen!

Jedenfalls war ich so begeistert und hatte nur noch für meine ehemalige Kirchenmaus Augen und dachte für den Moment auch gar nicht mehr an den leidenden Prinzen … und als der mir wieder einfiel, förderte er den Rest Darmpech zutage, ein großer Klumpen Milchstuhl kam hinterher und endlich durfte das Schweiflein wieder entspannt hängen und war nicht mehr hochaufgestellt.

Als der Tierarzt dann wieder kam und nach ihm kuckte, war er sehr zufrieden und gab Entwarnung – manchmal muss man vielleicht wirklich lernen, mal wegzuschauen.

Was mich immer wieder fasziniert ist aber, wie sich die Herde verhält, wenn ein Mitglied herausgenommen wurde, denn Mahé hat sich heute sogar gegen Happy gewehrt und zurückgehauen und der Königin zeigte sie auch die Zähne, als die Kröte meinte, dass sie die träge dicke Omma ruhig mal ein bisschen ärgern könnte – da wurde Mahé richtig flott und machte ihrem Namen „Terrorinsel“ mal wieder Ehre.

Und nun zurück zum Prinzen: Seine Gangart ist der Trab, wobei ich feststellen durfte, dass er durchaus auch galoppieren kann, aber lieber trabt er. Ich denke, wenn die Pigmentierung um die Augen kommt, dann wird er ein sehr hübsches Gesicht haben … in dem ich die Schimmelhaare heute vergeblich suchte. Seine Fuchsfarbe ist sehr hell, was mich hoffen lässt, dass er und darunter mit der Dunkelfuchsfarbe der Mutter überrascht.

Im Moment ist er noch sehr verlegen und arg durchtrittig … gruselig ist das Hängeohr, das bei Traben lustig herumschlackert – hätte ich bei Cora nicht das Gleiche erlebt und festgestellt, dass sich das Öhrchen ganz von selbst aufrichten wird, würde ich mir um seine Zukunft Sorgen machen, denn dass er verkauft wird, das steht fest und mit einem Hängeohr wäre das nun auch nicht leichter.

Charakterlich ist er ein sehr anhänglicher Knabe und ausruhen oder schlafen tut er vermutlich nie – dazu hat er wohl momentan keine Zeit, nachdem er zehn Tage zu lange in der Mama war und er nun die verlorene Zeit auf dieser Welt vermutlich aufzuholen versucht, indem er sie intensiv nutzt. Die arme Glücki muss mächtig Boden gut machen, weil er ständig unterwegs ist und vielleicht wird sie nun sogar noch schlank auf ihre alten Tage.

Hier also des Prinzen erster Ausflug im zarten Alter von 13 Stunden:

Zauberprinz p4 Ein echter Trakehner richtet seinen Blick immer nach Osten … aber wo war denn nun gleich noch mal Osten? Hier?
Zauberprinz Zauberprinz … oder eher da?
Brave Heart Fohlen Fohlen

Ich glaube man merkt an der Anzahl der Bilder, dass der Menschenpferdepapa von dem roten Prinzen schwer entzückt ist, denn er hält so gut wie jede seiner Bewegungen fast stündlich fest – aber das sind – versprochen, die letzten Bilder bis die Drei-Tage-Bilder fällig werden

p9_510
Irgendwann war er aber dann doch mal müde:

Zauberprinz Brave Heart Fohlen Gut, wenn man dann eine Mama hat, die Wache schiebt
Mamas Euter ist eben doch der beste Ort der Welt
Zauberprinz Euter nachdem er begriffen hatte, wie es geht, nutzt er das wohlschmeckende Labsal aus Mamas Euter so oft als möglich … eigentlich ständig

 

Sonntag, den 03.Mai 2009-05-04

3 Stunden – 3 Tage – 3 Wochen – 3 Monate – 3 Jahre: Das ist der Rhythmus, in dem man ein Fohlen theoretisch beurteilen können sollte, was aber nicht heißt, dass es nicht immer wieder Ausnahmen gibt, welche die Regel bestätigen. Trotzdem mühten wir uns um die 3-Tage_Bilder, wobei das etwas schwierig zu bewerkstelligen war, denn im Prinzip ist der rote Prinz am 29. April geboren … aber erst um 21.40 Uhr – also wäre am Samstag, den 02. Mai, also gestern, eigentlich sein dritter Lebenstag gewesen … aber dann eben auch irgendwie doch nicht und darum gibt es nun Bilder von heute mit 3 Tagen und 18 Stunden.

So langsam ist er nicht mehr ganz so durchtrittig, aber ein bisschen zehenweit steht er trotzdem noch … aber das Ohr winkt nicht mehr so sehr,

Manchmal sind auch Prinzen ein wenig müde … aber hinlegen? Nein, das tun nur Weicheier und dazu gehört der rote Prinz nun gar nicht und darum schläft er wacker im Stehen

Zauberprinz
Müde ist auch die Mama, denn der rote Prinz gönnt ihr wenig Ruhe … schon ist er nämlich wieder hellwach, weil die Tanten kommen und das darf man nicht verpassen … auf keinen Fall – die Mama allerdings ist sogar zum giften zu müde und legt grade mal nur noch die Ohren andeutungsweise an.

Zauberprinz … und was ein echter Zauberprinz ist, der verträgt auch mal ein bisschen Kitsch und sieht damit noch immer gut aus

Montag, den 04. Mai 2009

So ein Pferdeleben kann ganz schön anstrengend sein und darum muss sich auch ein nimmermüder Pferdeprinz ab und zu nun doch einmal davon erholen

Zauberprinz Fohlen … aber wenn der Menschenpferdepapa nun glaubt, dass das rote Prinzchen fest schläft, dann täuscht er sich, denn er steht ganz genau unter der Beobachtung des kecken Pferdesohnes
Brave Heart Fohlen Und schon ist er auch wieder wach und voller Tatendrang und darum schaut er auch sehr unternehmungslustig in die große Welt, die er längst zu allein seiner erklärt hat
Los Mama, nicht nach Essen suchen, sondern mit mir um die Wette laufen Fohlen Huch!Was willst Du denn schon wieder hier
Fohlen Zauberprinz Ich bin schön!